Erste Fragmente  einer verdrängten Zeit

13.3.1932     Wahl des Reichspräsidenten, Ergebnis in Schupbach:

291 Stimmen für NSDAP, 200 Stimmen für Hindenburg, 7 für Duesterberg, 10 für Thälmann

4.1932           2. Wahlgang zum Reichspräsidenten:

                       309 Stimmen für NSDAP, 196 für Hindenburg, 10 für Thälmann

Apr 1932       Überfall auf SA-Mitglied Stähler (HHStAW 412/1079)

1933              Kommunalwahlergebnis in Schupbach:

                       312 Stimmen für die NSDAP, 175 Stimmen für die SPD, 12 für die KPD, keine für Zentrumspartei

                       Für die NSDAP ziehen zwei Schupbacher in den Kreistag ein:

                       Hermann Schäfer, Landwirt und Ernst Schmidt, Landwirt und Bäckermeister

2.2.1933       Hausdurchsuchungen bei Wagner, Wiegand und Ackermann veranlasst durch Wittgen

5.3.1933       Fackelumzug in Schupbach, Verbrennung der schwarz-rot-goldenen Flagge unter Teilnahme

                      eines Teils der Dorfbevölkerung (HHStAW 520/G 15347 Ob)

                      Verdacht der Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Nummerierung und spätere Kontrolle

                      der Stimmzettel

xx.1933        Absetzung des Bürgermeisters Kramer

                      Ernennung Schmidts (seit 1931 Mitglied der NSDAP) zum Bürgermeister ohne Wahl durch

                      Landrat Lange

???                 Auflösung des Jungfrauenvereins als angebliche Nebenorganisation der SPD

                      Beschlagnahmung des Vereinsvermögens zugunsten des RAD-Lagers

???                 Entlassung der Lehrerin Margarethe Goldschmidt als "Halbjüdin" aus dem Schuldienst

24.3.1933    Wittgen führt Polizei- und SA-Trupp auf Hof Beselich zwecks Verhaftung von KPD-Mitgliedern

15.5.1933    Mündliche Absprache zwischen dem Landrat, der Polizei (Wittgen) und SA (Sturmführer aus

                      menau) zur Aktion Turnhalle

16.5.1933    "Aktion Turnhalle"

                      zwischen 6.00 bis 7.00 Uhr: Außensperrung des gesamten Ortes durch 240-400 SA-Leute

                      (SA Sturm 24, 25, 26/J33)

                      Festsetzung von 35 Personen, meist SPD-Mitgliedern, in der Turnhalle von Schupbach sowie

                      zahlreiche Hausdurchsuchungen (Betroffene u.a. Bergmann sen., Bergmann jun., August

                      Bernhardt, Ernst Fehler, Hermann Fuchs, Wilhelm Fuchs, Heinrich Hanisch, Otto Heckenhahn,

                      Adam Jost, Johann Heinrich Jung, Wilhelm Jung, Ernst Kalbfuß, Wilhelm Kalbfuß, Hermann

                      Klein, Adolf Knögel, Christian Kramer, Heinrich Kramer, Wilhelm Krämer, Julius Nickel, Anna

                      Rudius Heinrich Schäfer, Wilhelm Späth, Heinrich Völker, Wilhelm Wagner, Hermann Wern,

                      Wilhelm Winn, Wilhelm Zanger, Albert Zinkant, August Zimmermann)

Juli 1933       gegen 0.30 Uhr: Hausdurchsuchung Wagner durch Wittgen und SA-Mitglieder

Sommer '33  Renovation der Schulräume

                      Maler hinterließen ein Hakenkreuz mit "Heil Hitler" auf der Schultafel, Hauptlehrer Selzers

                      kritischer Kommentar führt zur Vernehmung von 16 Schulkindern durch Wittgen

15.8.1933    Strafversetzungsschreiben des Lehrers Selzer nach Weilmünster

Anfang '34   Hausdurchsuchung Hermann Wagner durch Wittgen und SA-Leute (Ernst Schäfer, Alfred Schmidt,

                      August Eller, Hugo Bender, Walter Zeiler): Beschlagnahmung von 17 Tauben

1934             Festnahme Karl Kramer und KZ-Haft

Okt. 1934     Schlägerei Karl Kramer und Wilhelm Eller (SA)

1935             Einführung von NS Schulungsabenden in Schupbach

23.5.1935    20.30 Uhr Versammlung im Parteilokal "Meister": 21 Pgs anwesend, 8 entschuldigt (von 41 Pgs)

                      Themen: Abonnements der Parteipresse in Schupbach

                      Vortrag Wittgens über das „Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Partei und Staat und zum

                      Schutze der Parteiuniformen"       

                      Kritik an Pgs, die noch immer Handel mit Juden betreiben würden

26.2.1936    Hausdurchsuchung Wagner, Wiegand

                      Beschlagnahmung von Holz, das als Brennholz in NS-Führerschule Schupbach verwendet wird

Feb 1936      Verhaftung Hermann Wagner und Anklage wegen Hochverrats

1936             Schmidt wird zum SA-Hauptsturmführer befördert

1936             Erich Eller wird Stützpunktleiter in Schupbach

1936             Schmidt wird wegen Disziplinlosigkeit bestraft und 3 Monate aus der SA ausgeschlossen

Herbst 1938 Störung eines privaten Bibelkreises im Haus Wilhelm Pfeiffer III durch die örtliche Polizei

11 TeilnehmerInnen werden vernommen, u.a. Anna Jost, Bibeln in "Gewahrsam" genommen

Nov 1938      Verteilung jüdischer Stoffe, die in der NS Führerschule lagerten, an einzelne Schupbacher Bürger

10.11.1938   Novemberpogrom in Schupbach (Sachbeschädigung an den Häusern und der Synagoge)

                       Steinwürfe auf die Häuser der jüdischen Bewohner, Aufbrechen der Haustür der Familie Kron

                       mit einem Rammbock durch Mitglieder der HJ

                       als Zeugen werden im späteren Verfahren gegen Wittgen Hugo Stamm, Willi Schmidt,

                       Erich Zinkant (Beteiligter) genannt

11.11.1938   Festsetzung der jüdischen Männer in der Finstermühle und anschließend Internierung

                       von Julius Kron, Jakob Rosenberg im KZ Buchenwald

1938              Erich Eller gibt Leitung des Stützpunktes in Schupbach ab

5.2.1939       Schmidt (Bürgermeister) und Klein (Gemeinderechner) bestätigen Josef gen. Julius Israel Kron

                       (zwecks "Auswanderung" nach Südafrika), dass seitens der Gemeindekasse keine Forderungen

                       bestehen

XX                  Abmeldung Julius Kron aus dem Melderegister von Schupbach

1939              Schupbach ist judenfrei

5/6? 1940     Altmetallsammlung in Schupbach (Zerlegung eines Eisenbahnwaggons und Zerstörung des

                       jüdischen Friedhofs in einer Gemeinschaftsaktion Schupbacher Bürger an einem Sonntag:

                       Zerschlagung der Grabsteine und Einfassungen, Wiederverwendung der Steine im RAD-Lager und

                       auf den privaten Grundstücken der Brüder Schmidt (Bürgermeister) als Grundstückseinfassungen

                       Arisierung des Friedhofs und Verkauf an Schmidt (Bürgermeister) als Obstanbaufläche zum Preis

                       von RM 120 (zum Vergleich: Schmidt erhält 150 RM monatlich in seiner Funktion als Bürger-

                       meister, weiter 150 RM als Bezirksbauernführer plus ca. 10 RM monatlich als Miete für seinen

                       der Gemeinde zur Verfügung gestellten Büroraum)

14.9.1940     Auflassung im Grundbuchamt: Jüdischer Friedhof wird an Schmidt übertragen

1942              Schmidt wird stellvertretender Bezirksbauernführer

17.12.1944   Absturz eines amerikanischen Fliegers in Schupbach

15.10.1945   Aufforderung Kramers (Bürgermeister) an Schmidt-Brüder, den Friedhof bis 30.11.1945 wieder

                       herzurichten

XX                  Entnazifizierungsverfahren Schmidt

XX                  Entnazifizierungsverfahren Erich Eller

XX                  Entnazifizierungsverfahren

XX                  Entnazifizierungsverfahren



???                  Durchsuchung des Pfarrhauses, der Scheune und Beschlagnahme religiöser Schriften

                       Überwachung der Predigten

???                  Eröffnung des RAD-Lagers

?                     Kriegsgefangener, bei Hermann Schmittel untergebracht, geht eine verbotene Beziehung mit

                       einer Schupbacherin ein und schwängert sie

                       Anzeige und späteres Verhör beim Führer des Stalag (HHStAW 520/G 15347Ob)

?                     Bürgermeister Schmidt gewährt Steuervergünstigungen bei Einstellung jeglichen Handels mit

                       jüdischen Bürgern in Schupbach; geschätzter Verlust von Steuereinnahmen in Höhe von 10.477

                       RM innerhalb von zwei Jahren (HHStAW 520G / 15347 Ob)

?                     Erwerb der Christianshütte durch die Gemeinde

                       Rückkauf des Villengrundstücks durch den Bürgermeister als Privatperson